Neidkampagnen sind deplaziert

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Neidkampagnen sind deplaziert

Dr. Lothar Krimmel, Geschäftsführer Bioscientia Institut für Medizinische Diagnostik

Der Anspruch, mit einer einheitlichen Gebührenordnung die real existierenden Versorgungsunterschiede einebnen zu wollen, ist schon deshalb abwegig, weil der Leistungsumfang der GKV eine umfassende Grundsicherung garantiert und damit im internationalen Vergleich einzigartig ist. Wenn die „gefühlte“ Zwei-Klassen-Medizin dennoch zunimmt, dann geht das ausschließlich auf das Konto derjenigen, die die Behandlung von Kassenpatienten durch Budgetierung und Bürokratisierung für den Arzt immer qualvoller machen.

Außerdem sind die für die privatmedizinische Behandlung gebildeten Rückstellungen Eigentum der Privatversicherten und unterstehen dem Schutz des Art. 14 GG. Die Privatversicherten haben ein Recht darauf, dass ihre höheren Ansprüche durch eine entsprechend höhere Vergütung ihrer Ärzte abgesichert werden.

Dieser Anspruch der Privatpatienten wird in der aktuellen Diskussion systematisch ausgeblendet. Es gibt in Deutschland eben rund 10 Millionen Bürgerinnen und Bürger, die sich nicht mit dem GKV-Standard zufrieden geben wollen, sondern einen gewissen Luxus erwarten, für den sie auch mehr zu zahlen bereit sind. Dieser Anspruch ist Ausdruck des in Art. 2 GG garantierten Rechts auf freie Entfaltung der Persönlichkeit gerade auch im Bereich der eigenen Gesundheit.

Diese Privatversicherten haben gezielt die höheren Freiheitsgrade der Privatmedizin gewählt, einschließlich des Rechts auf eine individuell-optimale anstelle einer nur kollektiv-wirtschaftlichen Behandlung. Wenn sie gegen ihren Willen in eine staatlich kontrollierte, von Finanzierungsfragen dominierte Einheitsmedizin gezwungen werden sollten, werden sie mit Sicherheit Wege finden, ihre individuellen gesundheitlichen Ansprüche auf anderem Wege zu realisieren.

Der Gesundheitsmarkt ist einer der wenigen Zukunftsmärkte mit hohem Beschäftigungspotenzial. Überdurchschnittliche Beiträge zur Finanzierung überdurchschnittlicher gesundheitlicher Ansprüche schaffen Arbeitsplätze, sind daher auch volkswirtschaftlich sinnvoll und dienen dem Wohl der Allgemeinheit. Schon deswegen sind Neidkampagnen hier ebenso deplaziert wie im Bereich von Luxusreisen, Luxusautos oder Luxuswohnungen. Wenn diejenigen, die sich Luxus leisten können, ihn sich in Deutschland nicht mehr leisten dürfen, ist das Modell Deutschland im globalen Wettbewerb endgültig am Ende.

Autor
Dr. med. Lothar Krimmel

Quellenangabe
KRIMMEL, Dr. med. Lothar: Neidkampagnen sind deplaziert. In: HIGHLIGHTS, 9.12.2005