Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)

Lugano, 10.10.1988: Dr. Krimmel (neben dem langjährigen DEGUM-Präsidenten Prof. Dr. Harald Lutz) erläutert die Ultraschall-Richtlinien der KBV anlässlich des 12. Dreiländertreffens der deutschsprachigen Ultraschallgesellschaften.

Lugano, 10.10.1988: Dr. Krimmel (links, neben dem langjährigen DEGUM-Präsidenten Prof. Dr. Harald Lutz) erläutert die Ultraschall-Richtlinien der KBV anlässlich des 12. Dreiländertreffens der deutschsprachigen Ultraschallgesellschaften.

Noch heute wird oft gefragt, warum Dr. Krimmel im Sommer 1999 nach mehr als 13jähriger erfolgreicher Tätigkeit aus dem aktiven Dienstverhältnis bei der KBV ausgeschieden ist. Immerhin geschieht es nicht häufig, dass ein auf Lebenszeit bestellter Dezernent bereits mit 42 Jahren und auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft freiwillig in den bezahlten Ruhestand tritt, ohne hierzu gesundheitlich oder dienstrechtlich gezwungen zu sein.

Hintergrund der diesbezüglichen Ereignisse im August und September 1999 waren die Auseinandersetzungen um die “Gesundheitsreform 2000″ der neuen rot-grünen Bundesregierung.

Am 18. August wollte die KBV nach einem Spitzengespräch mit Gesundheitsministerin Andrea Fischer zum “Arzneimittel-Notprogramm” der KBV ein Informationsschreiben an die Kassenärztlichen Vereinigungen versenden. Der von Dr. Krimmel auf Bitte der KBV-Spitze erstellte Briefentwurf wurde, nachdem er zur Teilnahme an einer Protestveranstaltung der saarländischen Ärzteschaft nach Saarbrücken abgereist war, von der KBV-Spitze ohne Rücksprache mit Dr. Krimmel in wesentlichen Punkten abgeändert und anschließend mit seiner aufkopierten Unterschrift versendet. Allein der politisch durchaus vertretbare, jedoch ohne Dr. Krimmel´s Kenntnis von der KBV-Spitze neu aufgenommene Punkt einer vom BMG angeblich zugestandenen Nachverhandlungsoption der KBV im Fall einer Budgetüberschreitung erregte den Zorn der Ministerin und der Kassen.

In dieser kritischen Situation ließ es die KBV-Spitze nicht nur zu, sondern unterstützte es durch entsprechende Bemerkungen gegenüber Kassenvertretern sogar aktiv, dass in der Öffentlichkeit anschließend in Bezug auf diesen Punkt von einem eigenmächtigen Schreiben des Dr. Krimmel die Rede war. Der KBV-Vorsitzende Dr. Schorre übersandte der Ministerin schließlich auf deren Forderung hin – ohne Rücksprache mit den übrigen Vorstandsmitgliedern – ein Entschuldigungs-Schreiben, welches die enorm starke Position der KBV schwächte, die sie sich mit ihrem „Notprogramm“ im politischen und medialen Kampf gegen die Arzneimittelbudgets erarbeitet hatte. Bei Regierung, Kassen und Medien – bis hin zu den Hauptnachrichten der "Tagesschau" und ohne Widerspruch seitens der KBV-Spitze – war daraufhin sinngemäß von einem Fehlverhalten des Dr. Krimmel die Rede, welches Dr. Schorre habe korrigieren müssen.

Die KBV-Spitze hatte also erstens ein Schreiben ihres Stv. Hauptgeschäftsführers in politisch brisanter Weise gefälscht, zweitens nicht den Mut gehabt, diesen politisch brisanten Inhalt gegen das Aufbegehren von Ministerin und Krankenkassen durchzufechten und dann drittens nach ihrem Einknicken den von ihr gefälschten Inhalt auch noch ihrem an dieser Zuspitzung gänzlich unbeteiligten Stv. Hauptgeschäftsführer in die Schuhe geschoben.

Anlässlich der von Dr. Krimmel initiierten internen Aufarbeitung dieses unglaublichen Vorgangs, in dem sich zugleich ein politisches und ein kollegiales Versagen der KBV-Spitze offenbarte, erwies sich das Vertrauensverhältnis zwischen Dr. Schorre und Dr. Krimmel als vollständig zerrüttet. Da Dr. Schorre trotz Aufforderung seitens einer Reihe von Kassenärztlichen Vereinigungen einen Rücktritt ablehnte, erklärte sich Dr. Krimmel auf Bitte einiger Vorstandsmitglieder hin bereit, über einen Rückzug aus der Geschäftsführung zu verhandeln. Da sein Vertrag als auf Lebenszeit bestellter und nicht ordentlich kündbarer Dezernent der KBV eine Nachfolge im Amt des Hauptgeschäftsführers vorsah und ihm im Falle der Nicht-Berufung das Recht auf Eintritt in den Ruhestand zugestand, bot ihm der Vorstand an, dieses Recht vorzeitig wahrzunehmen. Um die Handlungsfähigkeit der KBV und ihres politisch schwer angeschlagenen Vorsitzenden in einer Phase brisanter gesundheitspolitischer Auseinandersetzungen nicht zu gefährden, erteilte Dr. Krimmel schließlich seine Zustimmung am 09.09.1999 durch Unterzeichnung des Ruhestandsvertrages.

Nur drei Monate nach diesen Ereignissen trat Dr. Schorre “aus persönlichen Gründen” vom Amt des KBV-Vorsitzenden zurück. Eine Rückkehr von Dr. Krimmel ins aktive Dienstverhältnis wurde dennoch von keiner Seite erwogen. Denn bei der KBV war mit Dr. Andreas Köhler sein Nachfolger im Amt des Stv. Hauptgeschäftsführers gefunden worden und Dr. Krimmel hatte mit der Gründung der MedWell Gesundheits-AG eine neue berufliche Herausforderung und entsprechende Verpflichtungen übernommen. Zahlreiche Reaktionen auf sein Ausscheiden haben ihm allerdings gezeigt, dass sein langjähriger Einsatz für die Sache der Kassenärzte nicht vergessen worden war.

Dr. med- Lothar Krimmel bei seinem Auftritt anlässlich der Protestveranstaltung der Ärzteschaft des Saarlandes am 18.8.1999

Dr. Krimmel als Hauptredner auf der Protestveranstaltung der Ärzteschaft des Saarlandes gegen die geplante „Gesundheitsreform 2000“ am 18.8.1999, dem Tag der Fälschung seines Rundschreibens durch die KBV-Spitze