Die IGeL sind sicher!

Die IGeL sind sicher!

Gesundheitspolitische Kommentare von Dr. med. Lothar Krimmel

Bereits kurz nach dem Antritt der rot-grünen Regierungskoalition 1998 wurde der Ärzteschaft von interessierter Seite das baldige Ende der IGeL-Aktivitäten vorausgesagt. Wer jedoch sowohl die rechtlichen Grundlagen als auch die Mechanismen des Marktes kannte, wusste schon damals, dass dies reines Wunschdenken der Regierenden war. Denn das IGeL-Konzept ist weitgehend immun gegen politische Interventionen. So sind die verfassungsrechtlichen Grundlagen aus Arztund Patientensicht praktisch unangreifbar:

IGeL sind bei Arzt und Patient verfassungssicher

  • IGeL-Angebote sind elementarer Ausdruck des Grundrechts auf freie Berufswahl (Art. 12 Abs. 2 GG).
  • Die Nutzung von IGeL durch den Bürger ist Ausdruck seines Grundrechts auf freie Persönlichkeitsentfaltung im Bereich der eigenen Gesundheit (Art. 2 Abs. 1 GG).

Auch hinsichtlich des Zusammenspiels von Angebot und Nachfrage sind eine ganze Reihe von Triebkräften erkennbar, die das IGeL-Segment weiter wachsen lassen werden:

  • Die Nachfrage der Bürger nach Angeboten zur Optimierung der eigenen Gesundheit wird weiter zunehmen.
  • Innovation und medizinischer Fortschritt werden auch in Zukunft neue Angebote außerhalb der GKVMedizin hervorbringen.

Dementsprechend konnte sich der IGeL-Markt gerade unter einer rot-grünen Bundesregierung gut etablieren. Wenn heute jeder vierte GKV-Versicherte im Laufe eines Jahres auf IGeL angesprochen wird, ist dies der Beweis dafür, dass Selbstzahlerleistungen aus dem Schatten der GKV-Medizin herausgetreten und zum Normalfall geworden sind.

Der IGeL-Markt wird weiter wachsen. Vor allem die dauerhaft angespannte Finanzlage der GKV wird die GKV-Leistungen begrenzt halten und das IGeLSegment stärken. Hinsichtlich der Bedeutung dieses  Segments für den Honorarumsatz der Arztpraxen ist eine gleich vierfache Dynamik zu erkennen:

  • Der Anteil der IGeL anbietenden Praxen nimmt weiter kontinuierlich zu.
  • Der Anteil der IGeL-Angebote nachfragenden Patienten pro Praxis steigt ebenfalls stetig an.
  • Die Zahl der pro Patient nachgefragten IGeL-Angebote wächst angesichts offensichtlich zufriedener Kunden.
  • Schließlich steigt auch die Zahl der für IGeL-Angebote in Frage kommenden Leistungen aufgrund medizinischer Innovationen und zunehmender Ausgliederung aus dem GKV-Leistungskatalog.

Der anstehende Regierungswechsel wird den IGeL-Markt weiter beflügeln, wenngleich mit zunehmender „Normalität“ wohl auch mit einer wachsenden Reglementierung dieses Marktes zu rechnen ist. Ein solches IGeL-Wachstum hat im Übrigen nichts mit angeblich entfesseltem Neoliberalismus zu tun; vielmehr ist es Ausdruck wachsender Eigenverantwortung und sichert so das Überleben einer solidarischen Krankenversicherung in ökonomisch schwierigen Zeiten. Vor rund 20 Jahren hatte sich Kohls Rentenminister Norbert Blüm zu weit aus dem Fenster gelehnt, als er wider besseren Wissens behauptete: „Die Renten sind sicher!“ Heute dagegen gehört nur wenig prophetische Gabe dazu, um mit Blick auf die nächsten Jahrzehnte zu konstatieren: „Die IGeL sind sicher!“

Autor
Dr. med. Lothar Krimmel

Quellenangabe
KRIMMEL, Dr. med. Lothar: Die IGeL sind sicher! – Ceterum Censeo: Gesundheitspolitische Kommentare von Dr. med. Lothar Krimmel. In: ARZT & WIRTSCHAFT (verlag moderne industrie GmbH, 86899 Landsberg), 07/2005

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